grünepost.ch

BZ-Interview mit Daniele Jenni

«Verpflichtungen eingehalten»

Daniele Jenni gibt der SVP die Schuld für die Ausschreitungen. Er und sein Komitee hätten ein friedliches Fest gefeiert.

Für die schweren Ausschreitungen macht Daniele Jenni (Grüne Partei Bern) andere verantwortlich. «Die Hauptaggression ging von der SVP aus.» Wenn eine Partei wie die SVP Andersdenkende derart verunglimpfe, sei es nicht verwunderlich, dass es zu Ausschreitungen komme. «Die Ausschreitungen sind zwar nicht entschuldbar, aber sie sind erklärbar.»

Er sei kein Aufwiegler zur Gewalt, entgegnet Jenni auf den entsprechenden Vorwurf der SVP. «Ich habe in unzähligen Medien immer wieder betont, dass wir ein friedliches Fest auf dem Münsterplatz wollen, ich bin mir wie ein Wanderprediger vorgekommen.» Als Sprecher des Komitees «Schwarzes Schaf» habe er die Verantwortung für das übernommen, was auf dem Münsterplatz passiere. «Bei uns ist von A bis Z nichts passiert, wir hatten ein friedliches Fest, mit bis zu 5000 Personen.»

«Nicht mehr verlangen»

Es sei weder seine Aufgabe noch die des Komitees, dafür zu sorgen, dass andere Veranstaltungen in der Stadt ebenso friedlich ablaufen wie auf dem Münsterplatz. «Wir haben unsere Verpflichtungen eingehalten, mehr kann man nicht verlangen.» Zu Ausschreitungen wäre es laut Jenni auch ohne Kundgebung des Komitees gekommen.

Kein Aufruf gegen Gewalt

Während der ganzen Veranstaltung auf dem Münsterplatz kam von Seiten des Komitees «Schwarzes Schaf» nie ein Aufruf für einen gewaltfreien Nachmittag über das Mikrofon. Daniele Jenni dazu: «Was ausserhalb unserer Veranstaltung passiert, haben wir nicht zu kommentieren, wir haben keinen Einfluss auf andere Veranstaltungen.»

Wenn es auf dem Platz zu Ausschreitungen gekommen wäre, hätte man einen solchen Aufruf gemacht. «Aber bei uns ist nichts passiert.» Immerhin haben sich Mitglieder des Schwarzen Blocks auf dem Münsterplatz aufgehalten, bevor sie Flaschen und Steine in die Münstergasse warfen. «Es gab ein paar Leute, die anfänglich am Rand unserer Veranstaltung waren, aber sie haben sich, solange sie bei uns waren, nicht auffällig verhalten. Wenn unser Ordnungsdienst diese Leute angehalten hätte, wären wir dem Vorwurf der Freiheitsberaubung ausgesetzt worden», meint Daniele Jenni. Weder er noch das Komitee hätten sich die Sache zu leicht gemacht.

Jenni will Diskussion

Jenni kritisiert auch den Gemeinderat und fordert eine Diskussion im Stadtrat. Der Gemeinderat habe zugelassen, dass der SVP ein Marsch in Bern bewilligt worden sei, und habe nicht berücksichtigt, dass diese Aktion «notwendigerweise» auf heftigen Widerstand stossen würde. Das liess Jenni gestern verlauten. Dem Komitee «Schwarzes Schaf» sei demgegenüber «unter fadenscheinigen Vorwänden» keine Bewilligung erteilt worden.

Urs Wüthrich