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Ansprache von Simone Rebmann an der Abschiedsfeier vom 30. Novemer in der Reithalle
Vor 10 Tagen habe ich viel verloren:
Daniele war mir ein Arbeitgeber, ein politischer Gradmesser und ein Freund
Daniele als Arbeitgeber
Ich habe ihn Anfang 2003 während einer langen Zugfahrt kennen gelernt. Er legte mir auf meine Nachfrage hin dar, was sich im geografischen Raum des Balkans seit dem 18 Jahrhundert zugetragen
hat. Er schilderte aus dem Stegreif Nationalstaatenbildungen, deren Auflösungen, politische Systeme, religiöse Fragen und so fort. Einige Tage später stand ich in seiner Kanzlei und fragte ihn um Arbeit. Ich kriegte bald eine Bundesgerichtsbeschwerde vor die Nase gesetzt. Dazu meinte er: „We de wosch, de mach da mal, es isch für mi e Abwächslig, z' ergänze u z' korrigiere“.
Daniele zeigte mir, fundiert zu recherchieren und gradlinig zu argumentieren. Er war stets zu allen sachlich und respektvoll; auch dann wenn er selber widerwärtig behandelt wurde. Er stellte Fragen, wo andere schon längst mit Denken aufgehört haben. In Daniele Jennis Kanzlei sah ich, wie er mittels Baurechtsbeschwerde Konsumtempel einzudämmen versuchte. Weiter wie er armutsbetroffene Menschen, Ausgegrenzte, Weggewiesene, Opfer von Polizeigewalt, Gemobbte Gekündigte, Landwirte mit Landschaden und Viele mehr empfangen hat.
Er hat die Ratsuchenden in Ruhe angehört, ernst genommen und rechtlich beraten. „Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen“, das war keine juristische Leerformel in der Kanzlei Jenni.
Daniele als politischer Gradmesser
Daniele hat die Sache zu Ende gedacht. Ich habe ihn regelmässig zu schwierigen politischen Fragen konsultieren können. Er wusste weiter, wo andere schon längst mit Denken aufgehört haben. Zu seiner politischen Tätigkeit, hören wir heute abend glücklicherweise noch viel.
Daniele als Freund
Eines Winters besichtigte Daniele mit grossem Interesse meine Kaninchenzucht. Er entdeckte dabei einen krankes Jungtier im Stall. Er schlug vor, dieses Tier persönlich zu betreuen, worauf wir es in die Wohnung brachten. In der Folge nahm er das ganze Essen mit einer Hand ein: in der anderen Hand hielt das kranke Jungtier.
Von da an verabschiedete ich mich mit einem Schabernack in die Ferien: Ich telefonierte Daniele und kündigte ihm an, dass ich meine zahlreichen Tiere (es waren über 20) zu ihm auf den Balkon
bringen werde. Er sei doch so zuverlässig und werde sich bestimmt rührend um die Tiere kümmern. Darauf reagierte nun sogar Daniele etwas ungehalten: „Auso nei, das chunnt mer itz nid grad gläge, i ha drum schüsch scho fiu z' tue“. Darauf folgte eine lange Auflistung seiner aktuellen Tätigkeiten,
um mich nachhaltig von meinem Vorhaben abzubringen. Als ich entgegnete, er könne doch seine Nachbarn mit einspannen, meinte er: es sei eher so, dass ich nicht in die Ferien solle und ihm bei der Arbeit helfen, so sei auch das mit den Kaninchen geklärt. Und bei den nächsten Ferien begann alles wieder von vorne.
Überhaupt haben wir viel gelacht, nicht selten musste Daniele aufstehen und umhergehen damit er sich vor Lachen krümmen konnte.
Zu Danieles Sterben
Zum Schluss kommend, möchte ich Danieles Sterben nicht unerwähnt lassen. Wir sind alle erschrocken und erschüttert von seinem jähen Hinschied. Mitte November erfuhr ich von ihm von seiner lebensbedrohlichen Krankheit. Nach kurzer Zeit musste ich bereits begreifen, dass seine Kräfte unerwartet schnell nachliessen. Als er ins Spital kam, ging bereits darum, dass sein Leben mit zügigen Schritten zu Ende ging.
Ich habe noch viele Fragen an Daniele und ich hätte gerne gesehen, wie er alt wird. Vielen geht es sicher so, dass sie keine Gelegenheit mehr hatten, sich zu verabschieden, sich vielleicht zu bedanken, vielleicht Dinge zu bereinigen, vielleicht um Verzeihung zu bitten. Nun kann das nur
noch jede und jeder für sich tun.
Es ist aber auch so, dass Daniele sein Leben bis zum Schluss gelebt hat: engagiert, eigenständig, geradlinig und respektvoll.
Daniele: Grazi a te e arrividerci
Simone, 30. Dezember 2007



