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5 Tramlinien durch Spital- und Marktgasse? Motion für eine Alternativplanung

Luzius Theiler GPB-DA

5 Tramlinien durch Spital- und Marktgasse?
Motion für eine Alternativplanung für den öffentlichen Verkehr in der Innenstadt

Dieser Tage wurde das neue Tramkonzept mit den fünf Durchmesserlinien Worb -Fischermätteli (Weiterführung der heutigen Linie G durch die Innenstadt), Ostring - Bümpliz, Saali -Brünnen, Wabern - Guisanplatz und ab 2014 Ostermundigen - Köniz/Schliern vorgestellt. Dazu kommt der Trolleybus Länggasse - Kleezentrum. Die Tramlinien sollen zum grossen Teil mit den gegenüber heute von 30 Meter auf 42 Meter verlängerten überlangen XL Combino-Trams bedient werden. Bei einem 5-Minuten-Intervall in verkehrsstarken Zeiten bedeutet das - ohne Bus - ein Tram pro Minute und Richtung.

Abgesehen von der ungenügenden Tragfähigkeit des Pflaster- Belages der Marktgasse, der Sicherheitsprobleme und der prekären Platzverhältnisse an den Haltestellen unter dem Baldachin würde sich mit der Realisierung des Konzeptes eine Belastung der Innerstadtachsen ergeben, die mit einer sorgsamen Pflege des Weltkulturerbes, zu der sich die Stadt verpflichtet hat, nicht mehr vereinbar wäre.

In vielen anderen Städten präsentieren sich die Hauptgassen als verkehrsfreie Fussgänger- und Flanierzonen und sind damit auch attraktiv für den Handel. Eine Degradierung von Markt- und Spitalgasse zu reinen Verkehrsachse würde geradezu dazu auffordern, das nächste Tram nach Westside zu besteigen.

Als 1991 die Einführung des Muritrams zum Bahnhof geplant war, erwuchs der Vorlage im Stadtrat eine heftige Opposition sowohl von grüner, wie auch von bürgerlicher Seite. Die Linie wurde darauf richtigerweise nur bis zum Casinoplatz verlängert.

2003 erschien eine aufwändige, im Auftrag der Regionalen Verkehrskonferenz erarbeitete Studie zu einer Realisierbarkeit einer 2. Tramachse Innenstadt. Die Studie wird begründet mit der Feststellung, es sei offensichtlich, dass die zusätzlichen Tramlinienäste Bümpliz. Brünnen und Ostermundigen „nicht einfach dem bestehenden Tram-/Busnetz überlagert werden können“ (S.36).

Die Studie kommt u.a. zum Schluss, eine 2. Tramachse via Amthausgasse/Schauplatzgasse Richtung Westen und via Bundesgasse/Kochergasse Richtung Osten sei machbar aber nicht zu empfehlen. Die bestehende Hauptachse sei „voll als Tramachse“ zu benutzen, Länggass - und Wylerbus sowie Köniz- und Schosshaldebus seien zu verknüpfen, was nach der heutigen Planung überholt ist.

Als Alternativen zur „Tramachse Markt- und Spitalgasse“ ergeben sich mehrere mögliche und zu kombinierende Ansätze, wobei die Liste nicht abschliessend gedacht ist:

- Einführung des Trams von Ostermundigen über Nordring und Lorrainebrücke zum Bahnhof. Damit wären ein grosser Teil des Nordquartiers und die Gewerbeschulen besser mit dem ÖV erschlossen. Diese Variante ist auch in der erwähnten Studie als mittel- bis längerfristige Option skizziert (S. 34),

- Tangentiallinie Guisanplatz - Kornhausplatz - Burgernziel/Saali (hat während des Umbaus des Bahnhofplatzes nicht schlecht funktioniert), - Belassung der Endstation des Muritrams auf dem Casinoplatz,

- Shuttlebus zwischen Bahnhof und Kornhausplatz mit Feinerschliessung der oberen Altstadt.

Der Gemeinderat wird beauftragt, dem Stadtrat eine Kreditvorlage zur Ausarbeitung von Alternativvarianten zur Führung des öffentlichen Verkehrs im Bereich des Stadtzentrums zu unterbreiten. Der Zeitplan ist so zu gestalten, dass die Ergebnisse der Alternativplanung vor der Beschlussfassung über das endgültige Tramprojekt Ostermundigen vorliegen.

30. April 2009

MitunterzeichnerInnen:

Regula Fischer (GPB-DA)
Rolf Zbinden (PdA)
Erik Mozsa (GFL)
Martin Trachsel (EVP)
Conradin Conzetti (GFL)
Tanja Sollberger (GLP)
Jacqueline Gafner Wasem (FDP)